Furnieren mit der Vakuumpresse
Hauchdünnes Holz auf einer ruhigen Platte: wie Furnier entsteht, warum es einen Gegenzug braucht und wie die Vakuumpresse mit nichts als Luftdruck presst – mit Presse zum Ausprobieren und Furnierbild.

Furnier hat zu Unrecht den Ruf, die billige Variante von Massivholz zu sein. Richtig eingesetzt ist es das Gegenteil: Es macht aus einem besonders schönen Stamm viele Quadratmeter Fläche, mit einem Bild, das über eine ganze Schrankwand durchläuft, auf einer Platte, die sich kaum bewegt.
Was Furnier ist
Furnier sind dünne Blätter aus Holz, meist um einen halben Millimeter stark. Sie werden vom Stamm gemessert oder geschält und bleiben in der Reihenfolge, in der sie anfallen, gestapelt. Weil aufeinanderfolgende Blätter fast gleich aussehen, lassen sie sich zu einem Bild zusammensetzen, das mit Massivholz kaum möglich wäre.
Geschoben, gestürzt oder gespiegelt
Furnierblätter aus einem Stamm sehen fast gleich aus. Wie man sie nebeneinanderlegt, entscheidet über das Bild der ganzen Platte. Wählen Sie Holz und Anordnung.
Jedes zweite Blatt wird umgeklappt wie die Seiten eines Buches. An jeder Fuge spiegelt sich die Zeichnung – die klassische Anordnung für Tischplatten und Fronten.
Trägerplatte und Gegenzug
Das Furnier wird auf eine Trägerplatte geleimt: MDF, Spanplatte, Multiplex oder Tischlerplatte. Diese Platten arbeiten mit der Luftfeuchtigkeit kaum, darum bleibt eine furnierte Fläche ruhig – auch dort, wo eine massive Platte quellen und schwinden würde.
Wichtig ist der Gegenzug: Auch die Rückseite bekommt ein Furnier, gleich stark wie die Sichtseite. Beim Leimen und Trocknen zieht das Furnier an der Platte. Ist nur eine Seite furniert, verzieht sich die Platte zur furnierten Seite hin. Mit dem Gegenzug halten sich beide Seiten die Waage.
Pressen mit Luft
Damit das Furnier überall satt anliegt, muss es gleichmässig gepresst werden, bis der Leim abgebunden hat. Die Vakuumpresse macht das mit einem einfachen Trick: Die Platte liegt mit Furnier und Gegenzug in einem luftdichten Sack auf einer Grundplatte mit feinen Rillen. Eine Pumpe saugt die Luft aus dem Sack – und der Luftdruck von aussen presst alles zusammen, auf jeder Stelle mit derselben Kraft.
Wie die Luft das Furnier presst
Schalten Sie die Pumpe ein: Sie saugt die Luft aus dem Sack, und der Luftdruck von aussen presst Furnier und Gegenzug gleichmässig auf die Platte. Darunter rechnet der Planer Presskraft, Furnier und Leim für Ihre Platte.
Bereit: Leim ist aufgetragen, Furnier oben und Gegenzug unten liegen auf der Trägerplatte – alles steckt im Vakuumsack.
- Presskraft
- ≈ 16.3 tauf 2.00 m², so viel wie 11 Autos
- Druck
- 0.82 kg/cm²auf jeder Stelle gleich
- Furnier
- 4.6 m²Sichtseite und Gegenzug, 15 % Zugabe
- Leim
- 480 grund 120 g/m² je Seite
Presskraft = Unterdruck × Fläche (1 bar entspricht rund 1 kg je cm²). Leimmenge und Zugabe sind Richtwerte; Leim, Furnier und Raumtemperatur bestimmen, wie lange gepresst wird.
Was nach wenig klingt, ist erstaunlich viel: Bei 0.8 bar Unterdruck drückt die Luft mit rund 0.8 Kilogramm auf jeden Quadratzentimeter. Auf einer Tischplatte von zwei auf einen Meter sind das rund 16 Tonnen. Weil der Sack sich jeder Form anlegt, lassen sich damit auch gebogene Teile über eine Form pressen – mehr dazu im Beitrag Biegen und Formverleimen mit Vakuum.
Für Neugierige: Wasser siedet im Vakuum früher
Je weniger Luft im Sack, desto tiefer liegt der Siedepunkt von Wasser. Bei normalem Luftdruck siedet es bei 100 °C, bei 80 Prozent Vakuum schon bei rund 60 °C – und ab etwa 97.7 Prozent sogar bei Raumtemperatur. Ausrechnen lässt sich das mit der Antoine-Gleichung, die den Dampfdruck von Wasser beschreibt.
Wasser siedet im Vakuum früher
Je weniger Luft im Sack, desto tiefer der Siedepunkt von Wasser. Die Antoine-Gleichung beschreibt, bei welchem Druck Wasser wie warm sieden muss – hier zum Nachrechnen.
- Druck im Sack
- 203 hPaabsolut, statt 1013 hPa
- Wasser siedet bei
- 60.4 °Cstatt 100 °C
- Bei Raumtemperatur
- 97.7 %ab diesem Vakuum siedet Wasser bei 20 °C
p = 1013.25 hPa × (1 − 0.80) = 202.6 hPa = 152.0 mmHgT = B ÷ (A − log₁₀ p) − CT = 1730.63 ÷ (8.07131 − 2.1818) − 233.426 = 60.4 °CAntoine-Konstanten für Wasser zwischen 1 und 100 °C, Druck in mmHg.Heisst das, der Leim bindet im Vakuum schneller ab? Kaum – im geschlossenen Sack dauert es oft sogar etwas länger, und das ist das eigentlich Spannende. Das Vakuum saugt kein Wasser aus der Fuge. Die Leimfuge liegt eingeschlossen zwischen Furnier und Platte, und über die Sackhaut wirkt der volle Luftdruck auf den Stapel. Für das Wasser im Leim herrscht dort annähernd normaler Druck, nicht Vakuum. Weissleim bindet ab, indem sein Wasser ins Holz wandert, Harnstoffharzleim härtet chemisch und abhängig von der Temperatur. Schneller geht es mit Wärme, nicht mit mehr Vakuum.
Seine volle Wirkung zeigt der tiefe Siedepunkt dort, wo Wasser frei verdunsten kann: In Vakuumtrocknern wird Holz bei niedriger Temperatur schonend und schneller getrocknet. Und wo Leim im Sack frei liegt, etwa an herausgequetschten Kanten, kann er bei sehr hohem Vakuum aufschäumen.
Schritt für Schritt
- Furnierblätter zuschneiden, die Kanten gerade fügen und zum Bild zusammensetzen, die Fugen mit Fugenleimpapier sichern.
- Den Leim dünn und gleichmässig auf die Trägerplatte auftragen, auf beide Seiten.
- Sichtfurnier oben, Gegenzug unten auflegen, alles in den Vakuumsack.
- Pumpe einschalten und pressen, bis der Leim abgebunden hat – wie lange, hängt von Leim und Temperatur ab.
- Kanten bündig schneiden, die Fläche vorsichtig schleifen. Das Furnier ist dünn: Durchgeschliffen ist es schnell.
Herkunft
Furnier ist keine Erfindung der Industrie. Schon im alten Ägypten wurden Möbel mit dünnen Blättern edler Hölzer belegt, und im Barock und im Biedermeier erlebte das Furnieren eine Blütezeit – mit Bildern, die bis heute zu den schönsten Möbeln gehören. Und furniert wird nicht nur auf ebenen Platten: Auch gebogene Träger – formverleimt oder mit Kerbschnitten gebogen – bekommen ihr Bild in der Vakuumpresse. Weitere Techniken: Die Schwalbenschwanzverbindung, Die Gratleiste und Schlitz und Zapfen.